9 Spiele, 9 Siege, 27:4 Sätze – und eine Erkenntnis, die viel mehr wert ist als jeder Pokal: Wer aufhört, Vorsprünge nur zu verwalten, und stattdessen mutig das eigene Spiel in die Hand nimmt, wächst im entscheidenden Moment über sich hinaus.
Nur fünf Tage lagen zwischen dem internationalen Auftritt beim Europe Youth Series im tschechischen Pilsen und dem Österreichischen Top U13 (17.–18. Oktober 2026). Doch wer Lisa an diesem Wochenende an der Platte beobachtet hat, sah eine Spielerin, die in diesen wenigen Tagen einen riesigen mentalen Schritt gemacht hat.
In Pilsen hatte die Statistik noch eine deutliche Sprache gesprochen: Lisa gewann dort zwar mehr als die Hälfte aller gespielten Bälle (536:533), verlor aber acht von dreizehn Satzverlängerungen und alle drei Fünfsatz-Spiele. Der Grund war schnell gefunden: Sobald es eng wurde oder Lisa in Führung lag, wollte sie den Vorsprung festhalten und sicher ins Ziel verwalten.
Die gemeinsame Marschroute für das Top U13 lautete daher ganz klar: Mutig bleiben, selbst angreifen und Vorsprünge aktiv ausbauen – nichts mehr halten und nichts mehr verwalten!
Tag 1: Vom vorsichtigen Start zum Angriffs-Feuerwerk (5:0 Siege)
Spiel 1 gegen Alina Winter (3:1 | 11:8, 9:11, 11:7, 11:8)
Gleich zum Auftakt wartete das steirische Derby gegen eine stark spielende Alina Winter – wie bei internen Duellen üblich, ganz ohne Betreuung in der Box. Die Anfangsnervosität war Lisa deutlich anzumerken: Sie agierte sehr vorsichtig und zog im gesamten Match keinen einzigen Topspin auf Unterschnitt. Dass sie das Derby dennoch in vier Sätzen für sich entscheiden konnte, verdankte sie ihren guten Platzierungen und perfekten Gegentopspins, sobald das offene Spiel lief.
Spiel 2 gegen Lena Scharf (3:1 | 4:11, 11:7, 11:7, 11:9)
Im zweiten Spiel kam Lisa zunächst überhaupt nicht mit der ungewohnten Flugbahn von Lenas Bällen zurecht und musste den ersten Satz deutlich mit 4:11 abgeben – es sollte im gesamten Turnier ihr einziger verlorener Auftaktsatz bleiben. Danach stellte sie sich besser darauf ein, war aber noch zu sehr über ihre eigenen Fehler irritiert. Das Entscheidende war jedoch: Sie griff trotzdem konsequent weiter an und merkte mit jedem Satz mehr, dass sie über eigene aktive Schläge selbst punkten kann.
Spiel 3 gegen Ida Pichler (3:0 | 11:8, 11:6, 11:7)
Gegen Ida überzeugte Lisa mit sehr guten Platzierungen. Wenn sie einen Ball einmal falsch las, folgten zwar noch zu lange Grübelphasen und unnötige Eigenfehler, aber sie fing sich relativ rasch wieder und bestimmte das Match durchgehend als klare Spielführerin.
Spiel 4 gegen Carolina Maria Pichler (3:0 | 11:2, 12:10, 11:8)
Nur im zweiten Satz kam Carolina zu ihren gewohnten, gefährlichen Schlagduellen. Genau hier zeigte sich erstmals Lisas neue Entschlossenheit bei knappem Spielstand: Beim Stand von 10:10 wurde nicht gezögert, sondern mutig mit 12:10 zugemacht. Im restlichen Match war Lisa nie unter Druck.
Spiel 5 gegen Hannah Braun (3:1 | 11:8, 7:11, 11:4, 11:9)
Das letzte Match am Samstagabend brachte einen persönlichen Meilenstein: Noch nie zuvor hatte Lisa in einem einzigen Match so viele aktive Punkte selbst gemacht! Im zweiten Satz fand sie gegen die guten Platzierungen von Hannah zwar noch keine Lösung (7:11), doch danach war sie voll bereit, übernahm das Kommando und hatte auf alles eine Antwort.
Ungeschlagen mit 5:0 Siegen nach Tag 1 dazustehen, fühlte sich richtig gut an – und so hatte Lisa am Abend noch jede Menge Spaß gemeinsam mit einer ebenso zufriedenen Alina Winter, die zuvor sensationell gegen Miriam Kranzer gewonnen hatte.
Tag 2: Mentale Reifeprüfung am Morgen und das beste Match ihrer bisherigen Karriere
Spiel 6 gegen Zsofia Licsak (3:0 | 16:14, 12:10, 11:8)
Sonntagmorgen, 09:30 Uhr – ein klassischer Kaltstart gegen gerades Tischtennis mit kaum Schnitt. Lisa verschoss ihre Eröffnungsbälle anfangs reihenweise. Normalerweise wäre es für Lisa ein Ding der Unmöglichkeit gewesen, solche Spiele zu drehen, ohne komplett das Vertrauen in die eigene Eröffnung zu verlieren, in Passivität zu verfallen und in eine Zitterpartie mit völlig ungewissem Ausgang zu geraten.
Nicht an diesem Wochenende: Sie probierte es unbeirrt weiter – und irgendwann „kratzte sie die Kurve“, als endlich die Flugkurve im Topspin sichtbar wurde, anstatt sich in reine Schlagduelle verwickeln zu lassen. Dass die Partie nach 16:14 und 12:10 in den ersten beiden Sätzen glatt mit 3:0 ausging, war natürlich auch ein wenig glücklich, zeigt aber vor allem Lisas neue mentale Stärke an diesem Wochenende.
Spiel 7 gegen Helene Winkelhofer (3:0 | 11:6, 11:8, 11:5)
Gegen eine Spielerin mit guten Ergebnissen und viel Variation im Spiel zeigte Lisa eine beinahe perfekte Leistung und gewann einfacher, als wir uns das je hätten vorstellen können. Die Erleichterung war groß: Alle „Pflichtspiele“ waren gewonnen und ein Platz auf dem Stockerl war bei 7:0 Siegen bereits sicher!
Spiel 8 gegen Miriam Kranzer (3:1 | 11:9, 9:11, 11:6, 15:13)
Miriam stand unter Druck und musste gewinnen, um sich wieder auf das Stockerl hochzuspielen. Die beiden Mädchen lieferten sich einen offenen Schlagabtausch, der durchaus auch anders hätte ausgehen können. Doch Lisa war in den entscheidenden Momenten die Coolere und Klügere – und fand bis zum 15:13 im vierten Satz genau den Raum für ein paar Schläge mehr mit sehr guter Qualität.
Spiel 9 – Das große Finale gegen Mia Wu (3:0 | 11:9, 13:11, 11:7)
Vor dem letzten Spiel herrschte noch größere Erleichterung: Platz zwei war bereits geschafft, und jetzt gab es ein reines Finalspiel gegen die ebenso ungeschlagene Mia Wu – die Chance auf den Turniersieg und zugleich die Revanche für das Finale beim U15 Top 10.
Während Lisa schon befreit aufspielen konnte, wurde Mia von Lisas „neuer Aggressivität“ überrascht. Mia wusste, dass Lisa gut übernehmen kann und dass es für sie wichtig ist, den ersten Ball selbst gut zu eröffnen. Doch dank Lisas konsequenten Angriffen konnte sich Mia nicht mehr aussuchen, welchen Ball sie angreift, und geriet zunehmend unter Stress.
Es war Lisas bisher bestes Match in ihrer Karriere. Den Ausgang von 3:0 (11:9, 13:11, 11:7) hatte niemand erwartet – am allerwenigsten vielleicht sogar Lisa selbst. Sie konnte ihr neues Mindset bis zum Schluss durchziehen, probierte durchgehend zu eröffnen und traf dabei mit beeindruckender Quote. Dazu kamen viele sehenswerte Ballwechsel zwischen den beiden Mädchen in einem Finale auf enorm hohem Niveau.
Lisas Turniersieg in Zahlen (Was die Statistik hinter dem Erfolg zeigt)
Wirft man einen Blick auf alle 31 gespielten Sätze und 597 Ballwechsel von Lisa an diesem Wochenende, sieht man eindrucksvoll, was ihre Umstellung auf kompromisslosen Angriff bewirkt hat:
- 9 : 0 Siege und 27 : 4 Sätze: Lisa gab im gesamten Turnierverlauf nur vier einzige Sätze ab und gewann insgesamt 339 zu 258 Bälle (fast 57 Prozent aller gespielten Punkte).
- 5 von 5 Satzverlängerungen gewonnen (100 %): Wo in Pilsen wenige Tage zuvor noch 8 von 13 Verlängerungen verloren gingen, weil Lisa den Vorsprung verwalten wollte, gewann sie beim Top U13 jede einzelne Verlängerung ab 10:10 – gegen Carolina Pichler (12:10), zweimal gegen Zsofia Licsak (16:14 und 12:10), gegen Miriam Kranzer (15:13) und im Finale gegen Mia Wu (13:11).
- Kein einziger 5. Satz im gesamten Turnier: Viermal stand ein Match 2:1 nach Sätzen – und alle vier Male (4:0) machte Lisa sofort im vierten Satz den Deckel drauf (11:8, 11:9, 11:9 und 15:13). Dadurch sparte sie genau jene Kraft und Frische, die sie im Finale abrufen konnte.
- 8 von 9 ersten Sätzen gewonnen: Fast in jedem Spiel war Lisa sofort hellwach und setzte ihre Gegnerinnen ab dem ersten Satz unter Zugzwang.
- Sogar die turnierbeste Ballgewinn-Quote im Finale geknackt: Ihre Finalgegnerin Mia Wu hatte in den acht Spielen vor dem Finale unglaubliche 64 Prozent aller Bälle gewonnen (302:164 Bälle). Im Finale drehte Lisa durch ihre frühen Angriffe den Spieß komplett um und entschied nicht nur alle drei Sätze, sondern mit 35 : 27 Bällen auch die Ballwechsel-Bilanz klar für sich.
Unser Fazit
Liebe Lisa, dieser Turniersieg ist der verdiente Lohn für deinen Mut! Zu sehen, wie du selbst nach schwierigen Momenten – wie dem Kaltstart am Sonntagmorgen oder kleinen Rückschlägen am Samstag – nicht mehr ins Verwalten zurückgefallen bist, sondern weiter mutig den eigenen Angriff gesucht hast, freut uns riesig. Genau diesen Weg gehen wir weiter – herzliche Gratulation zu dieser großartigen Leistung!
[Bericht: Attila Balaz]

